Samstag, 15. Februar 2014

Standpunkt: Der 13. Februar in Dresden. Ein Augenzeugenbericht.

Was ist denn am 13. Februar jedes Jahr in Dresden los, wurde ich zuletzt sehr oft gefragt. Ja, es stimmt, dass ich seit anderthalb Jahren in der sächsischen Landeshauptstadt wohne. Ich habe den 13. Februar ergo schon 2 mal miterlebt und kann die Situationen vergleichen. Dieser Tag gilt dem Gedenken an die Bombenangriffe der Alliierten am Ende des 2. Weltkrieges auf die Innenstadt von Dresden mit mehren Tausend Todesopfer und der Zerstörung der Frauenkirche und anderen historischen Gebäuden. Der 13. Februar des Jahres 2013 stimmt mich traurig und wütend zugleich. Aber ich beginne von vorn: 
Der Februar markiert gleichzeitig die Prüfungsphase an der TU Dresden, somit sind die meisten Studenten mit lernen für Klausuren, schreiben von Klausuren oder dem Verfassen von Seminararbeiten beschäftigt. - So auch ich im Februar 2013 - Nichtsdestotrotz ist es für einen Student der Politikwissenschaft wichtig, dass dieser sich mit aktuellen Themen befasst und sich im sogenannten vorpolitischen Raum engagiert. - So würde ich zumindest mein Selbstverständnis an einen Studenten sehen wollen, eigentlich auch an jeden einzelnen Bürger, doch dies ist schon wieder eine andere Diskussion - Ich erlebt also den 13. Februar 2013 zum ersten Mal in Dresden. Der Tag begann ruhig und Facebook zeigte mir die aktuellen Informationen der Dresdener Neuesten Nachrichten (DNN). Diese boten einen Live - Ticker für den Geschehnisse des Tages in und um Dresden an. Ein Prozedere, was mich zunächst sehr verblüffte, aber Live Ticker sind wohl sehr angesagt. Das Bündnis Dresden Nazifrei bot ebenfalls einen Live Ticker an. Das Bündnis Dresden Nazifrei ist eine Vereinigung, von Studenten, Gewerkschaften, Parteien und vielen engagierten Vereinen aus Dresden, die ein Zeichen gegen rechten Demonstranten und deren Vereinnahmung des 13. Februars setzen wollen.  Mir fällt auf, dass Polizisten aus der gesamten Republik an diesem Tag nach Dresden fahren, um eine eigentlich friedliche Demonstration zu überwachen. Nur war der 13. Februar 2013 alles andere als friedlich und das stimmt mich so traurig. Ich unterstütze ausdrücklich die diversen Veranstaltungen wie beispielsweise die Mahnwache oder auch die Menschenkette. Als ich aber den Ticker des Bündnisses verfolgt habe, musste ich eine regelrechte Inszenierung der Demonstration mitverfolgen. Es wurden von vermehrten Routenänderungen sofort berichtet und ein Aufeinandertreffen mit den rechten Demonstranten wurde wohl gewünscht und Provokationen in kauf genommen. Dies stimmt mich dann wieder traurig. Warum muss man Streit so provozieren? Warum wird eine parallel stattfindende Demonstration, wie abstrus deren scheinbares Gedenken und deren Forderungen auch sein mögen, nicht einfach mit Nichtbeachtung gestraft ? Warum findet kein stiller Protest statt sondern eine aktive Behinderung mit Eskalationen auf beiden Seiten? 
Das riesige Polizeiaufgebot erinnerte mich eher an den 1. Mai in Berlin als an ein würdiges Gedenken mit einer klaren Botschaft. Diese Polizeipräsenz machte eher Angst, anstatt sich auf die Menschenkette oder andere Veranstaltungen zu konzentrieren. 
Der 13. Februar 2014 stimmte mich hingegen optimistischer. Eine Kundgebung der rechten Szene wurde vor der Frauenkirche nicht gestattet und somit waren mögliche Eskalationspunkte bereits im Vorfeld beseitigt wurden. Die Veranstaltungen waren wie immer sehr vielschichtig und machten den Tag zu dem, was er sein sollte. Gedenken an die Opfer des Krieges, aber gleichzeitig die Täter des Krieges klar zu nennen und ihre Ideologie auch in der heutigen Zeit klar zu benennen: Menschenverachtend und Menschenunwürdig  Die demokratische Kultur in Sachsen lebt und macht sich durch eine Beteiligung von mehr als 11.000 Menschen an der Kette durch die Stadt deutlich. Hand in Hand für ein friedliches, würdiges und ruhiges Gedenken. So geht sächsisch. 

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