Montag, 24. März 2014

Essay: Wie ist es möglich, dass ganz unterschiedliche politische Zielsetzungen ähnliche Herrschaftspraktiken nach sich ziehen ?

Gut gemeint heißt noch lange nicht gut gemacht. Eine totalitäre Diktatur im speziellen, sowie Diktaturen im allgemeinen, haben immer die besten Absichten. Jedoch führt diese konkrete Realisierung meist zu Terror, Unterdrückung und Wiederstand. Ich kenne dich nicht, aber ich weiß, was gut für dich ist. Dieser Satz könnte sowohl aus der Feder von Adolf Hitler als auch von Josef Stalin stammen. 
Politik ist das Streben nach Macht. Dabei unterscheidet Max Weber die 3 Gesichter der Macht- die Verhinderungsmacht, die Ausführungsmacht und die kommunikative Macht-. Wird nun Politik auf einer höheren abstrakteren Ebene definiert, so geht es um Herrschaft. Herrschaftspraktiken sind strukturell unterschiedlich, können jedoch recht ähnlich sein, gerade in sich ähnelnden politischen Systemen. Die Herrschaftspraktiken in Demokratien unterscheiden sich mit denen von Diktaturen. Innerhalb von Diktaturen trennt die politische Systemlehre autoritäre - und totalitäre Diktaturen, wobei die Grenzen meist sehr fließend verlaufen. Innerhalb eines Systems kommt es natürlich zu unterschiedlichen politischen Zielsetzungen, sogenannte Ideologien. Die Beobachtungsbeispiele für diese wissenschaftliche Fragestellung sind zum einen der Nationalsozialismus, zum anderen die Sowjetunion. Beide politischen Systeme werden rückblickend als totalitäre Diktaturen eingeschätzt. Der Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 in seiner Gesamtheit totalitär, die Sowjetunion wandelte sich vor allem unter Josef Stalin zu einer totalitären Diktatur. Die folgenden Analyse beschäftigt sich mit diesen beiden politischen Systemen hinblickend auf die Ähnlichkeit ihrer Herrschaftspraktiken und ihrer Verschiedenheit der politischen Zielsetzungen. 
Diktaturen sind kein vorherbestimmtes politisches System, keine gottgegebnen Verordnung, sondern ein dynamischer Prozess. Daher sind Diktaturen Systeme des Wandels, zum anderen bedarf es bestimmter Vorraussetzungen, damit Diktaturen entstehen können. Es ist somit wichtig, gerade im Hinblick auf das Herrschaftsgefüge, wenn man sich mit der Entstehungsgeschichte von Diktaturen im allgemeinen und der Entstehung anhand der Fallbeispiele im speziellen, genauer vertraut macht. 
Der Nationalsozialismus wie auch der Kommunismus der Sowjetunion erstanden, weil eine gesellschaftliche Gruppe mit den Zuständen innerhalb ihres politischen Systems nicht einverstanden waren. Eine neue Führungsgruppe will ein neues Wertesystem durchsetzen und somit ihre Weltanschauung, ergo ihre Ideologie durchsetzen. Dies kann - meistens wird es- gegen den Willen anderer geschehen. Dieses neue handlungsleitende Wertesystem war im Dritten Reich die pseudowissenschaftliche Weltanschauung des Nationalsozialismus. 
Das totalitäre System Sowjetunion unter Josef Stalin vertrat die ebenfalls pseudowissenschaftlichen Ausführung des Marxismus- Leninismus. Im Nationalsozialismus wurde die Ideologie allmählich zu einem Führerabsolutismus umgewandelt, sodass die Weisheiten eines charismatischen Führers - Adolf Hitlers - zur Legitimation des Systems beitrugen. Beide Weltanschauungen gehen jedoch von ein und der selben Auffassung von Gemeinwohl aus, dem Gemeinwohl a priori. Bei diesem Gedankengang stehe das Gute bereits im vornherein fest und der Mensch sei angehalten, nach dem erkennbar Guten zu streben. Das Individuum Mensch brauche aber dazu die nötige Leitung und Aufsicht, da sonst die Gefahr bestehe von dem rechten, dem wahren Weg abzukommen.  
Carl Schmidt, der unter anderem Politik in ein klares Freund  -Feind Bild bringen wollte, schreibt in seinem Traktat „Der Führer schützt das Recht“ folgendes: 
„Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Missbrauch, wenn er im Augenblick der Gefahr Kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft.“ 
Das Menschenbild im Nationalsozialismus wird hierbei verdeutlicht und es deckt sich mit dem Gedanken des Gemeinwohl a priori und, laut Max Weber, der „charismatischen Herrschaft.“ Diese beruht „ auf der außeralltäglichen Hingabe an die Helligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnung.“ 
Die Herrschaftsstrukturen im Nationalsozialismus - der in einem Führerabsolutismus transferiert wurde - lassen sich mit der Proklamation des Großdeutschen Reichstages gut erklären. 
Demnach muss der Führer „ ohne an bestehende Rechtsvorschriften gebunden zu sein- in seiner Eigenschaft als Führer der Nation, als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, als Regierungschef und oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt, als oberster Gerichtsherr und als Führer der Partei jederzeit in der Lage sein, nötigenfalls jeden Deutschen ... und mit allen geeignet erscheinenden Mitteln zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten .. und ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbenen Rechte mit der ihm gebührenden Sühne zu belegen, ihm im besonderen ohne Einleitung vorgeschriebener Verfahren aus dem Amte, aus seinem Rang und seiner Stellung zu entfernen.“ 
Zum einen wird deutlich, dass jegliche Form der Gewaltenteilung im Machtgefüge des Dritten Reiches aufgehoben war und sich die gesamte Macht auf eine Person konzentrierte. Es wird von einer monistischen Herrschaftsstruktur gesprochen. 
Die Menschenrechte und die formal noch immer bestehende Verfassung aus der Zeit der Weimarer Republik waren nicht mehr relevant und somit auch nicht mehr gültig. Rechtsstaatlichkeit spielte eine immer unbedeutendere Rolle. 
Das Herrschaftsgefüge im nationalsozialistischen Führerstaat war stets im Prozess, ein dynamischer Vorgang. Im Zentrum steht im Nationalsozialismus ein charismatischer Führer und eine Partei, die sich permanent selbst revolutioniert und sich nach vorn treibt. Diesen Vorgang  gilt es zu erklären mit Hilfe von analytischen Kategorien. 
Eine analytischen Kategorie ist in diesem Falle das MINK Schema, welches aus den 4 Einzelkomponenten Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation besteht und zusammen eine Symbiose bilden.  
Die Machtausübung war im Nationalsozialismus monistisch. Doch es besteh die Gefahr den komplexen Machtapparat im Nationalsozialismus zu verkennen. Der Prozess der zu einer extremen Zentralisierung der Macht mit einer völligen Ausschaltung der Freiheitsrechte führte, war eben ein langwieriger Vorgang und kein fester Zustand, der sich von heute auf morgen eingestellt hatte. Im Machtzentrum war der Führer Adolf Hitler, der als ideologische und machtpolitische Bezugsgröße galt, doch seine Partei nahm eine genauso wichtige Stellung ein. Die NSDAP war eine Kaderpartei mit einer hierarchischen Ordnung. 
Die sogenannte „Machtergreifung der Nationalsozialisten“ hat sich auf einem legalen Weg vollzogen, auch wenn es die Ideologie völlig widersprach. De facto ist Adolf Hitler als Spitzenkandidat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei durch Wahlen an die Macht gekommen. Der eigentliche Verfassungsbruch geschah erst am 28. Februar 1934 mit dem In kraft treten der Reichtstagsbrandverordnung, die Grundrechte der Bürger beschnitt und den permanenten Ausnahmezustand proklamierte. Der endgültige Verfassungsbruch und damit das Ende der ersten Demokratie auf deutschem Boden fand am 24. März 1934 mit dem Ermächtigungsgesetz statt. Hier wird die Notwendigkeit der Trennung zwischen der geschriebenen Verfassung und der Verfassungswirklichkeit deutlich, die bereits Ferdinand Lassalles in einem bekanntem Diktum äußerte. Demnach boten die Nationalsozialisten sehr wenig Angriffspunkte nach außen. Es war ihnen nach außen wichtig, den verfassungsrechtlichen Schein zu wahren, wohl aber auch einer möglichen Revolution im inneren jegliche verfassungsrechtliche Grundlage und damit jeglichen Nährboden zu entziehen.  Eine scheinbare Legitimation ist - zumindest oberflächlich betrachtet - gegeben. 
Ernst Fraenkel konstatierte 1938, dass der NS Staat ein Doppelstaat sei, „ohne ein existentes objektives oder subjektives Recht.“ Es fehlen, so Fraenkel weiter, „Normen und die herrschenden Maßnahmen.“ Der Nationalsozialismus hält -gerade im Bereich des Zivilrechtes -solange an den gegebenen Normen fest, wie dem Machtapparat diese von Vorteil erscheinen. Das Definitionsmonopol liegt bei den nationalsozialistischen Machthabern selbst und begründet sich durch ihre extralegale Kompetenzkompetenz. Diese von Fraenkel geäußerte Wahrnehmung ist besonders gut in der Proklamation des Großdeutschen Reichstages zu erkennen. Darin heißt es, dass „ ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbenen Rechte“ der Führer jeden Deutschen mit Sühne belegen darf, wenn dieser nicht seine Pflichten erfüllt. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt waren dem Führer demnach Rechte der Bürger wichtig, weil diese den Machtapparat sinnvoll erschienen. Dieser Zustand konnte sich schnell ändern. 
Es erscheint logisch, hier das MINK Schema zu verdeutlichen. Die Nationalsozialisten hatten die uneingeschränkte Macht, auch wenn innerhalb der Partei ein ständiger Dualismus - ganz nach ideologisch sozialdarwinistischem Vorbild - herrschte. Die Macht blieb immer in den Händen der neuen selbsternannten Elite, die die Gesellschaft nach einem neuen Wertesystem aufzubauen bereit war. Die Ideologie machte sich in nahezu allen Lebensbereichen deutlich, besonders in der Erziehung und im privaten Bereich, wie es in Jugendorganisationen beispielsweise der Hitlerjugend oder dem Bund Deutscher Mädel verdeutlicht wird.  Der Ausspruch von Hitler im Bezug auf die vielen Jugendorganisationen der NSDAP  „ Sie sollen nicht mehr frei sein, ihr Leben lang“ unterstreicht den Anspruch auf eine totale Vereinnahmung der gesamten Gesellschaft. 
Normen, wie Ernst Fraenkeles Wahrnehmung verdeutlicht, hatten nur so lange Gültigkeit, solange  sie dem System nützlich erschienen. Die Kommunikation war ebenfalls monopolisiert. Das Definitionsmonopol und damit die nach Max Weber effizientestes Form der Machtausübung - die kommunikative Macht- war somit von den Nationalsozialisten beansprucht wurden. Der Führer entschied über Falsch und Gut über Wahrheit und Lüge, die Definition konnte variieren, die Aussagen hatten aber immer den vollsten Anspruch auf Wahrheit. 
Jede Komponente ist separat betrachtet für das System von äußerst hoher Bedeutung, den Machterhalt sichern aber erst alle 4 Komponenten in ihrer Wechselbeziehung zueinander. Die Ideologie legitimiert nach nationalsozialistischem Glaube ihre Machtposition innerhalb der Gesellschaft, ohne die bereits gewonnene Macht kann die nationalsozialistische Ideologie nicht durchgesetzt werden und das System zerbricht. 
Normen dienen zum einen der Legitimation der Ideologie, stecken aber zum anderen die Spielregeln innerhalb des Systems ab. Diese Spielregeln werden von den Machthabern definiert und können jederzeit ohne ersichtlichen Grund verworfen oder verändert werden. Dies ist nur möglich, weil die Macht monopolisiert und uneingeschränkt bei der Partei und dem Führer liegt. Damit Normen, Macht und Ideologie anerkannt werden bedarf es ebenfalls dem Monopol im Bereich der Massenmedien und in der Wahrnehmung bei der Bevölkerung. Das sogenannte - framing - die kommunikative Macht und das daraus einhergehende Definitionsmonopol verankert den Nationalsozialismus in der Gesellschaft und die Gesellschaft ist mehr und mehr - mit Ausnahme einiger weniger - von der Notwendigkeit und der Richtigkeit dieses Systems überzeugt. 
Im Bereich der Kommunikation kann auf den Nationalsozialismus durchaus das Thomas Theorem angewendet werden. 
Es besagt: „Wenn Menschen eine Situation als so und nicht anders beschaffen definieren und aus dieser resultierenden Situationsdefininition heraus handeln, so sind die Folgen dieses Handelns real, ganz gleich wie irreal die Situationsdefinition auch war.“ 
Der Glaube vieler Menschen an die Ideologie des Nationalsozialismus verklärte ihre Wirklichkeitswahrnehmung und so wurde diese irreale Situationsdefinition real und die Folgen spürbar. Der feste Glaube an die nationalsozialistische Ideologie verklärte die Wirklichkeitswahrnehmung der Menschen und brachte dem Führer Adolf Hitler und der NSDAP Handlungsspielräume im Bezug auf die Ausübung ihrer Macht, da die Bevölkerung bereits nachhaltig von der nationalsozialistischen Ideologie vereinnahmt wurde.
Die Herrschaftsstrukturen des Nationalsozialismus sind innerhalb der NSDAP recht deutlich zu erkennen. Wie bereits gesagt, herrschte ein Dualismus zwischen den verschiedenen Institutionen der Partei, von denen einige erst neu geschaffen wurden sind. So wird mehrfach vom -Dualismus zwischen Staat und Partei- gesprochen. Hier wird auf das Neben und Gegeneinander von Machtgruppen hingewiesen, die mit sich selbst beschäftigt waren und daher gar keine Konkurrenzsituation an der Spitze des Staates und der Partei heraufbeschwören konnten. So besaß, laut Herrn Thamer, der Nationalsozialismus eine stark monokratische Spitze und gleichzeitig polykratische Machtstrukturen. Diese beflügelten den Kampf um die Macht innerhalb der NSDAP, waren aber auch Auslöser für eine immerfort dauernde Transformation und Revolution innerhalb der der herrschen Nationalsozialistischen Partei und deren Herrschaftsstrukturen. 
Ein Beispiel ist die Schaffung von neuen Institutionen, das Zusammenlegen von Kompetenzbereichen mehreren Institutionen oder - wie im Fall der SA - das Ausschalten von Institution, wenn diese zu mächtig erschienen. Der ideologische Ansatzpunkt besagt, dass nur der Führer in der Lage sei, die konkurrierenden Machtzentren zu koordinieren. Der Nebeneffekt war folglich, dass keine Institution mächtiger als der Führer selbst sein kann und somit Konkurrenz ausgeschaltet werden konnte. Die monistische Herrschaftsstruktur wurde zum Ende hin immer weiter ausgebaut, so auf der Proklamation des Großdeutschen Reichstage und fand ihren Anfang bei der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetztes. 
Ein weiterer Punkt ist die Militarisierung der Partei und der Gesellschaft, wie beispielsweise an Paraden zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, oder auch an propagandistischen Großveranstaltungen wie den alljährlichen Parteitagen in Nürnberg zu sehen ist. Hinter all diesen Maßnahmen ist noch einmal die ideologische Ausrichtung zu sehen, nämlich, wie es Luigi Sturzo formulierte, die „Monopolisierung des Erziehungswesens im Geist religionsförmiger Bewegungen mit der Verabsolutierung eines subhumanen Prinzips.“ 
Der zunehmende Appell an die Gemeinschaft und die daraus resultierende vermeintliche „Überlegenheit der arischen Rasse“ werden im Dritten Reich besonders deutlich. In Folge dessen wurde die Herschafftsreichweite immer größer, so dass sich kaum noch „herrschaftsfreie“ Nischen boten und auch die Herrschaftsintensität nahm stetig zu.  Beides zentrale Punkte von totalitären Systemen. Diese Herrschaftsintensität und die damit verbundene Realisierung und das Erreichen ihrer Ziele führte im Nationalsozialismus zu einem industriellen Massenmord an Millionen von europäischen Juden. Diese „ industriell bürokratischen Methode“ lässt sich - in abgewandelter Form und geringere Intensität- in anderen Diktaturen erkennen. 
Das System in der Sowjetunion lässt sich  - trotz aller systematischer Verschiedenheiten und Differenzen - in vielfacher Hinsicht mit dem Dritten Reich vergleichen. Jedes kommunistisches Regime war eine Diktatur. Es wurde bereits in mehren hundert Ländern der Versuch unternommen, Kommunismus und Sozialismus in der Gesellschaft zu etablieren, am Ende waren die Menschen unfrei und das System scheiterte. Bei der Beschreibung kommunistischer Staaten - wie auch die Sowjetunion einer war - ist die Herrschaftsstruktur eine totalitär - bürokratische Parteiendiktatur. 
Der Kommunismus ist eine Ideologie wie auch der Nationalsozialismus. Die Elitetheorie ist in kommunistischen Regimen genauso vertreten wie im Dritten Reich, mit dem Unterschied, dass in der Sowjetunion eine Partei,, eine soziale Schicht - die Arbeiterklasse -  statt einem charismatischem Führer im Mittelpunkt steht.
Die Voraussetzungen für die Errichtung einer kommunistischen Diktatur gleichem dem Errichten einer nationalsozialistischem Diktatur. Es bedarf eines Machtmonopols, eines Nachrichtenmonopols und einer Massenpartei beziehungsweise einer Kaderpartei. Die Sowjetunion besaß ein monoistisches Machtzentrum. Die ideologische Ausrichtung stand klar im Zeichen des Marxismus/ Leninismus, welcher die Herrschaft legitimierte. Die möglichst umfassende Kontrolle der Gesellschaft sollte durch eine terroristische Geheimpolizei realisiert werden, die zur Mobilisation und Manipulation der Bevölkerung diente. 
Im Bereich der Entstehung beider Diktaturen lassen sich auch einige Parallelen ablesen. So entstanden beide Diktaturen in folge von Wirtschaftlicher Notlage und unsicheren politischen Zeiten. In Russland leitete das Ende des Zarenreiches eine Revolution ein und in Deutschland war das Volk von Massenarbeitslosigkeit und den fatalen Auswirkungen des 1. Weltkrieges stark angeschlagen. Somit waren die Beweggründe zur Errichtung einer Diktatur die Gleichen nämlich soziale Unsicherheit und drohender sozialer Abstieg. Das Versprechen, das Volk in bessere goldene Zeiten zu führen und die einfachen Antworten auf die schwierigen weltwirtschaftlichen Probleme machten die Attraktivität beider Systeme aus. 
Daher ist es nicht verwunderlich, dass beide Systeme aus den besten Absichten heraus agierten und so von ihrer Ideologie überzeugt waren. 
Die kommunistische Partei in der Sowjetunion wollte das politische Monopol, indem sie sich die Macht eroberte und diese mit allen Mitteln zu verteidigen versuchte, erlangen. Ähnlich wie auch im Dritten Reich war es für die Machthaber von großer Bedeutung, auch vermeintlich private Bereiche zu politisieren. Dies lässt sich auch wieder auf den Gemeinwohlgedanke a priori zurückführen, bei dem die Menschen wieder auf den wahren Weg zurückgeführt werden müssten, da sie ohne staatliche Kontrolle von diesem abkommen würden. Anders als im Dritten Reich wird in der Sowjetunion versucht aktiv in die Wirtschaft einzugreifen, da der Absolutheitsgedanke noch weiter ausgeprägt war. Der Schlüssel zum Verständnis von der kommunistischen Partei ist ihr Parteienapparat und die daraus resultierenden Parteienbürokratie zu suchen. Das Ziel von Lenin und auch das Ziel von Stalin war eine - Partei neuen Typs- zu errichten und einen - bürokratischen Zentralismus - zu schaffen. 
In einem kommunistischen Staat ist in folge dessen nur ein Gremium für die wichtigsten Entscheidungen im Land verantwortlich und an dessen Vorgaben muss sich gehalten werden. Aus diesem Organisationsstrukturen bildet sich die logische Konsequenz, dass in einem solchen System Staat und Gesellschaft politisch gleichgeschaltet werden müssen, um eventuelle Konkurrenz frühzeitig auszuschalten.  
Die Gleichschaltung führte wie bereits im Dritten Reich dazu, dass Führungspersonal ausgewechselt wird und dieses durch eigene, dem System loyal dienende Menschen ersetzt werden.  Dieser Vorgang ist in kommunistischen Staaten mit dem Schlagwort „Nomenklatura“ beschrieben. Eine sehr typische Devise einer jeden Diktatur, nämlich das Loyalität vor Sachkompetenz gestellt wird, ist im Gleichschaltungsprozess eindrucksvoll gezeigt wurden. Neben diesem Prozess werden den Gerichten ihre Selbstständigkeit genommen und Vereine und Verbände werden zu Satelliten der kommunistischen Partei. Eine weitere Methode ist - ähnlich wie im Nationalsozialismus- die Anwendung einer Geheimpolizei zur gezielten Überwachung der Bevölkerung. Hierbei sind auch Repressionsmaßnahmen wie die gezielte Tötung von Andersdenkenden als Mittel zum Machterhalt in beiden politischen Systemen zu nennen. Der Höhepunkt des Grenzenlosen Terrors beider Systeme ist die Errichtung von Konzentrationslagern im Nationalsozialismus und analog die Errichtung von GULAGS im totalitären System der Sowjetunion. 
Gerade in der Zeit von Josef Stalin baut die Sowjetunion die vier Machtsäulen auf: Parteiapparat, Sicherheitsdienst und Armee. Diese Vierteilung entspricht symmetrisch der Teilung der Macht bei Adolf Hitler: Parteiapparat und Führer, die Gestapo, die SS und die Wehrmacht. Dieser Prozess lässt Parteien in Parteien, Gesellschaften in Gesellschaften und Staaten im Staate entstehen und führt zu faktischen Parallelgesellschaften, wobei die eigentliche Machtkonzentration in einer Person vereint ist. Schlussfolgernd kommt es immer wieder zu Machtkämpfen zwischen den einzelnen sich konkurrierenden Institutionen, die eigentliche Machtperson bleibt davon verschont und kann Entscheidungen ungehindert ausführen. 
Demnach ist das Primärphänomen bei beiden Diktaturen das Gleiche. Eine Gruppe oder eine Partei hat den Anspruch die Gesellschaft nach ihren Werten umzugestalten. Das Sekundärphänomen beschreibt die Repressionen, welche Teile der Bevölkerung erleiden müssen. Dabei unterscheidet sich das Dritte Reich von der Sowjetunion. Im Dritten Reich unter Adolf Hitler waren die Feinde des Regimes bereits ideologisch vorbestimmt. Die Gewalt richtete sich gezielt auf die Juden. 
Das Leben als deutscher, sich den System angepasster Bürger war kaum von staatlichen terroristischen Repressionen bestimmt. In der Sowjetunion dagegen waren Volksfeinde nie klar definiert. Zum einen waren es Menschen, die die Überlegenheit des pseudowissenschaftlichen Marxismus/ Leninismus anzweifelten, zum anderen konnte ein russischer Bürger von jetzt auf gleich zum Staatsfeind deklariert werden.
Um die folgende Forschungsfrage gezielt und analytisch beantworten zu können, bedarf es zum einen analytischen Kategorien  und zum anderen einem Erklärungsmodell. Die analytischen Kategorien sind in erster Linie die Einzelkomponenten des MINK Schemas, demnach Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation. Sowohl das eigentliche politische System mit den sich darin vorfindenden Herrschaftsstrukturen und der ideologischen Ausrichtung. 
Das Erklärungsmodell ist wie folgt aufgebaut. Die Unterscheidung in abhänge und unabhängige Variablen und die intervenierenden Variablen. Als unabhängige Variable werden hier die ganz unterschiedlichen politischen Zielsetzungen angeführt. Die ideologischen Aussagen innerhalb der Sowjetunion sind geprägt durch den Glauben an die Überlegenheit des Kommunismus/ Sozialismus mit ihren Vertreten Karl Marx und Friedrich Engels. Im Gegensatz zum Dritten Reich, bei der der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Rasse im Mittelpunkt allen politischen Handelns steht. Die abhänge Variable ist demnach die ähnliche Herrschaftsstruktur der beiden politischen Systeme. Das Ziel war es nach der Sicherung der Macht als Primärphänomen des Totalitarismus und die Verteidigung der Macht auch gegen den Wiederstand als Sekundärphänomen des Totalitarismus. Als intervenierende Variable ist Die Geschichte der Entstehung der einzelnen politischen Systeme zu berücksichtigen. Die Sowjetunion ist aus einer Revolution heraus entstanden und löste das Zarenreich gewaltsam auf. Die Entstehung des Dritten Reiches geschah formal legal und Adolf Hitler kam durch freie Wahlen an die Macht. 
Am Beispiel der eingeführten analytischen Kategorien wird deutlich, wie die Komponenten ineinander wirken müssen, um das System als stabil ansehen zu können. Es ist zu erkennen, dass nach der vorgenommenen vergleichenden Betrachtung beider politischen Systeme weitgehende Gemeinsamkeiten im Bereich der Herrschaftspraxis und in der Herrschaftsstruktur zu erkennen sind. Die Ablehnung von Gewaltenteilung und das Bekenntnis zur monistischen Herrschaftsstruktur, die Abkehr vom Parlamentarismus und die Gleichschaltung innerhalb der Gesellschaft verbunden mit dem Absolutheitsanspruch die Gesellschaft zu vereinnahmen. 
Die Abkehr von Individualismus als Verunglimpfung des Einzelnen und die damit verbundene Stärkung einer „Rasse“ beziehungsweise einer „Klasse im Kollektivverbund.“ 
Der Gemeinwohlgedanke a priori machte den Liberalismus, der sich in der der heutigen Form als Pluralismus äußert, per se überflüssig. 
Aufgrund der bereits im vornherein ausgelegten Weltanschauung kombiniert mit der strikten Trennung von Gut und Böse, bedarf es in der weitergemachten Ideologie nur einer Meinung. Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gelten nur so lange wie sie im System als nützlich angesehen werden und Repression und Willkür ersetzen alsbald Grundrecht und Verfassung.  
Die Herrschaftsstrukturen ähnelten sich nachgewiesener Weise so stark, weil nur so eine langfristige Machtperspektive für die Herrschenden absehbar schien. Polykratische Parteistrukturen führen Zwangsläufig zu Machtkämpfen innerhalb und zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen den vielen kleinen Institutionen. Der alleinige Führer selbst hat somit die Machtkontrolle in seiner Hand und kann demnach frei agieren. Die Ideologie spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ideologische Betrachtungen kommen nur dann zum tragen, wenn es um den Widerstand innerhalb des Systems geht und wenn zwischen Gut und Böse innerhalb der Diktatur zu entscheiden ist. 
Anhand der beiden gewählten Fallbeispiele ist nachdrücklich auf das Unheil und die fatalen Folgen von Diktaturen in Europa im vergangenen Jahrhundert hingewiesen. Dabei sind die Absichten - wie edel und großmütig sie auch immer sein mögen - stets der Anfang von Folter und Willkür gewesen. Vorgefertigte Meinungen bedarf es in unserer Demokratie nicht und der Kampf um das bessere Argument ist dem Kampf ums Leben glücklicherweise gewichen. 



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