Sonntag, 27. April 2014

Wie war dein Tag ?: 1. Teil: Sonntag, der 30. März 2014

Der Satz des Tages: Veränderung ist nicht immer angebracht.
Ich bin ein kulturell interessierter Mensch. Das Theater lockt mich noch immer. In der Schulzeit musste ich - wie wir alle - einige Veranstaltungen und Aufführungen im Theater besuchen, aber ich habe das gern gemacht und so besuchte ich heute Abend die Theatervorstellung Faust. Der Tragödie erster Teil im Theater Plauen - Zwickau.
Die Geschichte ist kurz zusammengefasst:
Faust und Mephisto beschließen einen teuflischen Pakt: Gelingt es Mephisto, dem Gelehrten zu Lebensglück und Erfüllung zu verhelfen, gehört ihm Fausts Seele.
In Auerbachs Keller führt Mephisto vor, wie leicht das Leben sein kann. Nach einer anschließenden Verjüngung trifft Faust auf Gretchen. Faust spürt eine Zuneigung für die  ärmliche, junge Frau. Mephisto fädelt zwischen den beiden eine Liebschaft ein, dessen Folge Gretchens uneheliche Schwangerschaft ist. Aus Unwissenheit über ein tödliches Schlafmittel bringt Gretchen die eigene Mutter um. Ihr Bruder, der die Familienehre wiederherstellen will, wird im Duell mit Faust getötet. Dem Wahnsinn verfallen, ertränkt Gretchen ihr Neugeborenes. Faust will sie mit Hilfe Mephistos vor der Hinrichtung retten, doch muss er sie schließlich ihrem Schicksal und der Gnade Gottes überlassen.
 
In der Erwartung an ein traditionelles Stück freute ich mich sehr auf den Abend in Zwickau.
Doch was der Regisseur  Matthias Thieme aus diesem altehrwürdigen Stück machte, entsprach nicht meiner Vorstellung. Ja, das einzige, was es hier zu loben gilt, ist die Tatsache, dass die Rahmenhandlung nicht verändert wurde. In einigen Szenen wurde sich auch an die Originaltexte gehalten. Das Bühnenbild und die Auswahl der Kostüme - verantwortet von Christof von Büren -hatten so gar nichts mit einer klassischen Darstellung zu tun. 

Eine Auswahl gefällig ? Bitte schön:
Ein Schauspieler  tritt mit einer geöffneten Jacke samt Pelz auf, er zieht sich auf der Bühne um, damit der Wandel vom spießigen Wissenschaftler zum extravertierten Lebemann zum Ausdruck gebracht wird. Ein Mephisto rennt dumpf kichernd und anrüchig vergnügt durch Marthes Garten und versucht damit Witz und Charme in dieses Stück zu bringen. Die Dramaturgie wurde dadurch zwar gut zum Ausdruck gebracht, aber ich frage mich hierbei: Darf´s a bissle weniger sein ? Das Stück ist in sich dennoch stimmig und es wird ein abgerundeter erster Teil der Goethschen Tragödie Faust erzählt. Schlüsselszenen wie etwa der Osterspaziergang oder auch die Walpurgisnacht sind nahezu Original aus der Textvorlage übernommen und spiegeln eine authentische Erzählweise wider. Doch das überfrachtet - überdrehte Schauspiel wirkt in vielen Szenen kitschig und ist sich für keinen noch so billigen Witz zu schade.
Damit mich hier keiner missversteht. Ich suche nicht nach spießigen Theatervorstellungen, die sich streng an eine Dramaturgie halten. Aber, wenn ich ein Stück von einem der größten deutschen Dichter sehe, erwarte ich keinen dumpfen Witz und Kostüme, die ein jeder heute zu tragen bereit wäre.
Ich erwarte klassische Texte, ein klassisches Bühnenbild und keine zwanghafte Modernisierung des Theaters.
Wer mit dem Zeitgeist geht, der geht mit der Zeit, heißt es im Volksmund. Damit das Theater in Zwickau nicht geht, bedarf es einer Besinnung auf die Wurzeln des Theaters. Dabei darf es sehr gerne auch derber zur Sache gehen, wie wir ganz frei nach Shakespeare zu erleben bereit sind.
Moderne Stücke im Repertoire zu wissen, ist richtig und nötig. Da darf es dann auch gern moderne Sprache geben inklusive Slang und ein anderes Bühnenbild geben. Alles zu seiner Zeit eben.
Klassische Dichter im Angebot zu haben, verändert die Erwartungshaltung an Regisseur und Schauspieler. Dies Erwartungshaltung wurde meiner Meinung nach nicht ganz erfüllt. 

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