Donnerstag, 3. Juli 2014

Standpunkt: Mit Regenbogenfahne gegen pluralistische Meinungsvielfalt

„Mach doch die Bluse zu: Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn“ hieß der Titel einer Veranstaltung der Willhelm - Külz Stiftung an der TU Dresden am heutigen Donnerstagabend. Die Referentin war Birgit Kelle, eine Journalistin aus Rumänien und seit 1984 in Deutschland lebende Frau. Sie ist unter anderem Herausgeberin einer christlichen Monatszeitschrift gewesen und Mutter von vier Kindern. 
Nichts oder nahezu nichts ist so ideologisch aufgeladen wie das Thema Familienpolitik in Deutschland. Da fallen Begriffe wie „Heimchen am Herd“ oder „Rabenmutter“ um nur zwei extreme Vorurteile und Diffamierungen zu nennen. Das war einer der Gründe warum ich heute diese Veranstaltung besuchte. 
Frau Kelle schilderte zunächst Ihre Erfahrungen mit dem Thema Feminismus. Mit dem Urteil, dass dieser in Ihrer Kindheit keine Rolle spielte. Sie engagierte und interessierte sich erst für dieses Thema, als sie mit 23 Jahren ihr erstes Kind gebar. Augenblicklich, so schildert sie bildgewaltig und mit Beispielen untermauernd, änderte sich ihre Sichtweise auf die Dinge. Viele Frauen - nicht etwa Männer - gaben der jungen Dame Ratschläge, wie sie nun mit diesem „Schicksalsschlag“ einer Geburt umzugehen hätte. „Bleib auf gar keinem Fall zu Hause! Du bist jung und strebst nach einer erfolgreichen journalistischen Laufbahn. Du bekommst Kariere und Kind unter einen Hut, wenn du dich nur gut genug anstrengst. Du kannst dein Kind sehr früh in eine Kindergrippe geben und dein Leben leben. Das Kind als eine Art Kariererisiko und dem Damoklesschwert gleich. Doch Frau Kelle entschied sich anders. Sie nahm eine dreijährige Elternzeit und zwar bei allen vier Kindern. 12 Jahre also. Eine Entscheidung, die sie nicht bereute und auch heute so wieder machen würde. Doch die Reaktionen auf diese Entscheidung waren vernichtend. Die junge Frau sprach von persönlichen Angriffen. Führende Feministen sprachen ihr die Rolle als Frau ab. Sie dachte, dass sie sich frei dafür entschieden habe, doch so sei es nun wirklich nicht gewesen, so den Tenor der Feministinnen. Hier begann der erste Bruch in ihrem Weltbild. Zeichne es nicht eine junge und emanzipierte Frau aus, dass sie die freie Wahl hat: Das Kind zu Hause erziehen oder das Kind in die Krippe geben? Scheinbar nicht, wie die Reaktionen vermuten lassen. 
Das nächste Thema, was der Referentin zu schaffen macht, sind die Praktiken, wie der Sexualunterricht in den Schulen abläuft. Sie sprach auch hier anschaulich über Vorgehensweisen, wie etwa der Darstellung von verschiedenen Sexualpraktiken in Unterrichtsbüchern für Drittklässler. Also Kinder zwischen acht und neu Jahren. Nicht nur Frau Kelle, sondern auch ich fragten sich, ob es so etwas wirklich braucht. Die spannende These, dass der Sexualunterricht in erster Linie dazu diene, den Kinder zu zeigen, wie man sich vor einem Kind richtig schützt, erschien auch mir sehr fraglich. Natürlich sollten Verhütungsmethoden besprochen werden, um die Gefahr vor sexuellen Erkrankungen aufzuzeigen. Aber bedarf es nicht auch dem Kompetenzerwerb, um eine Partnerschaft zu leben und diese auch glücklich und möglichst lange zu erhalten ? 
Kinder sind in unserer Gesellschaft leider noch immer ein Armutsrisiko. Der Befund stimmt, aber was kann dagegen getan werden? Die Referentin geht hier auf das französische Steuermodell ein, wonach das erste Kind und auch das zweite Steuererleichterungen bringen. Mit dem dritten Kind allerdings werden die Steuererleichterungen signifikant erhöht und berücksichtigt. In Deutschland hingegen sind die Steuererleichterungen bereits mit dem ersten Kind nahezu ausgeschöpft. Die Erhöhung des Kinderfreibetrages ist dabei nur eine leichte Verbesserung. Ein weiterer diskussionswürdiger Vorschlag ist das Familienwahlrecht. Warum dürfen Kinder und Jugendliche unter der Volljährigkeit nicht wählen und warum bleibt ihre Stimme ungehört ? Das Familienwahlrecht sieht vor, dass Eltern jeweils soviel Stimmen mehr bekommen, wie sie Kinder haben. Dies zählt freilich nur für minderjährige Kinder. Nach der vielzitierten Antizipationsschleife würden wir viel mehr familienpolitische Maßnahmen in der deutschen Politik sehen. Denn Stimmen bedeuten Handlungsspielraum und Machterhalt. Im übrigen beträgt die Geburtenrate in Frankreich nahezu 2,1 und in Deutschland 1,38. Ein Wert von 2,1 kommt dem Idealwert laut Wissenschaftlern schon sehr nah. 
Die Familienpolitik ist immer mehr zur Arbeits - und Wirtschaftspolitik degradiert wurden. Es sei doch ein sehr verzerrtes Bild, wenn jede familienpolitische Maßnahme im Wirtschaftsministerium und in Wirtschaftsverbänden bejubelt wird, nicht aber bei den Familien selbst. Die Ausgaben für Familienpolitik belaufen sich auf 50 Milliarden Euro, ein Wert den Deutschland nur im unteren Drittel Europas rangieren lässt. Am liebsten wäre es den Wirtschaftsverbänden wohl, wenn Mütter ihre Kinder frühzeitig in eine staatliche Einrichtung geben und danach selbst wieder produktiv wären. Diese Ökonomiesierung der Familienpolitik sollte uns zu denken geben. Ein Kind kostet der Familie bis es selbständig für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann etwa 120.000 Euro. Der Staat gewinnt an einem heute dreizehnjährigen Jugendlichen etwa 70.000 Euro. Nach Abzug aller Subventionierungen. Der Staat als alleiniger Pro­fi­teur von Kindern ? Diese Zahlen sollten uns nachdenklich machen. 
Was bringt es dem Staat also, wenn neue Kitas gebaut werden, aber eine Korrelation zwischen Kitadichte und Kinderdichte in keiner einzigen Studie valide nachgewiesen wurde ? Diese Frage kann ich mir auch nicht beantworten. Frau Kelle erinnert dieses System ( möglichst schnell ein Kind unter die Obhut staatlicher Institutionen zu geben) an ihre alte Heimat Rumänien vor etwa 30 Jahren. Der Staat wollte möglichst schnell die Kontrolle über den volkseigenen Nachwuchs. Kinder sind formbar und mit ideologischen Gedankengut schneller anzustecken als beispielsweise Erwachsene. Die Krippe und die Kita stellt ein hervorragendes Kollektiv dar. Kollektive leben aber von der Eigenschaft, dass Uniformität gelebt werden soll. Unsere heutige Devise müsste aber lauten, dass das Individuum im Vordergrund stehen sollte. Wenn du zu einer Herde von Schafen gehören möchtest, dann ist das Wichtigste, dass du selbst ein Schaf wirst. Wir wollen aber individuelle Freiheit und viele einzelne Leitwölfe statt einheitlichen Schafen ( Die Wirkung, welches das Schaf in der Fabel halt, sollte hier bewusst erzielt werden) Es geht sogar so weit, dass Geschlechter als Konstrukt bezeichnet werden und künstlich geschaffene neue Artikel eingesetzt werden, um ein Kind nicht als männlich oder weiblich definieren zu müssen. 
Ein Plädoyer für eine freie Gesellschaft beginnt mit Toleranz. Diese sollte aber gelebt werden und nicht staatlich verordnet. Viel mehr noch: Eine Demokratie lebt von Mehrheitsbeschlüssen, die dann eben auch von einer Minderheit akzeptiert werden muss. Wer in den vergangenen Tagen die Zeitung aufschlägt und Familienpolitik sucht, bekommt alles außer mehrheitsfähige Familienpolitik. Es geht um Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Es geht um eine Regenbogenfahne am Familienministerium. Es geht um die vollkommene Gleichstellung der Ehe mit anderen Lebensformen. Hier wird der besondere Schutz von Ehe und Familie eklatant verletzt und die konsequenteste Antwort darauf wäre, den Artikel 6 GG abzuschaffen. Denn ein besonderer Schutz wird hier nicht mehr gewährleistet.  Das statistische Bundesamt hat dargelegt, dass 80 % der Deutschen in der traditionellen Familie aus Mann und Frau und Kindern leben. 
Wann fangen wir an nicht Minderheitenpolitik zu gestalten, sondern für die Mehrheit im Land ?
  
Der geneigte Leser fragt sich nun, was dies mit der Regenbogenfahne zu tun habe. Nun, nach einem interessanten und spannenden Referat wurden Fragen gestellt und dies sehr gründlich. Einige Zuhörer versammelten sich mit eben diesen Regenbogenflaggen im Saal. Doch sie hörten nicht zu und einige verließen die Veranstaltung lautstark. Einige andere diffamierten die Referentin und drückten so ihre Abneigung gegen diese Thesen aus. Eine Zuhörerin warf Frau Kelle unwissenschaftliches Reden vor. Sie stellte sich selbst ausdrücklich als Wissenschaftlerin dar. Ich erkenne ihr dies gar nicht ab, aber gehört zur Wissenschaft nicht auch der Pluralismus ? Die einzig wahre Antwort bereits zu kennen ist immer noch ein sehr valides Kennzeichen für Arroganz oder Dummheit, nicht selten eine gefährliche Mischung aus beiden. Mehr noch: Die einzig wahre Antwort bereits zu kennen ist Ausdruck einer Diktatur. Diskussionen zu unliebsamen Themen erweitern den Horizont, machen neugierig und schafften Wissen. Dafür steht die Technische Universität Dresden und diese Veranstaltung zu Recht.  

1 Kommentar:

  1. Und welches Fazit soll ich nun aus diesem Beitrag ziehen?
    - Sexualkunde in der Schule abschaffen, da ich befürchten soll das Kinder in der dritten Klasse sich aufgefordert sehen das gelernte gleich praktisch anzuwenden? Kann man hier wirklich von Thesen sprechen die erreicht werden sollen oder zeigen nicht etwa die USA in einigen Bundestaaten das fehlende Aufklärung nicht nur vermehrt zu Schwangerschaften von Teens führt sondern auch das Risiko von Krankheiten wie AIDS drastisch erhöht?
    - Familienwahlrecht einführen und damit der wachsenden Anzahl an Singels und kinderlosen Paaren in dieser Gesellschaft ihre politische Stimme streitig machen? Was wird dann aus "One man, one vote"?
    - Subventioniert Deutschland nicht bereits heute in einem Umfang in Kinder wie kaum ein anderer Staat? Steuererleichterungen, Kindergeld, ermäßigte Krankenkassenbeiträge, kostenlose Kitaplätze etc. sind hier nur ein paar Beispiele und du schreibst richtig, dass die Ergebnisse dafür eher bescheiden sind. Aber kann die Antwort darin liegen den Ausbau von Kitas zu stoppen? Ein Blick nach Skandinavien lehrt etwas anderes.

    Vielen Fragen aber die Antworten werden nicht geliefert. Eben weil es keine einfachen Antworten gibt. Gänzlich sinnfrei sind allerdings indirekte Vergleiche zwischen der Familienpolitik in Deutschland und rumänischen Weisenheimen zu Beginn der 90er. Wer damals die Bilder gesehen hat ist mit solchen Behauptungen vorsichtig. Auch erschließt sich mir nicht wo unser Staat versucht die Kinder zu manipulieren und zu indoktrinieren.

    Eine moderne Familienpolitik muss sich der Zeit anpassen - so auch jeder Konservativer. Eine rein religiöse Begründung für den Sonderstatus der Ehe erscheint ebenso unangebracht (insbesondere im säkularen Ostdeutschland) wie ein generelles Verbot eines Adoptionsrechts für gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Wo Scheidungsraten steigen, weniger Ehen geschlossen werden und der Wunsch nach Kindern immer stärker sinkt ist der Wunsch nach gestern zwar verständlich aber realitätsfern.

    Eine Demokratie kennt übrigens nicht nur das Mehrheitsprinzip sondern auch explizit den Schutz von Minderheiten. Ob jedoch tatsächlich die von dir dargelegte Sichtweise in diesem Land die Mehrheitsmeinung darstellt - darüber lässt sich streiten.

    Saschas Sicht ist somit zwar spannend aber sehr einseitig.

    Ich Ende mit den Worten die in den letzten Jahren so gerne von Bühnen gerufen werden um sich gegen jede Kritik wehren zu können: "Das muss man doch noch sagen dürfen!" (Was bin ich doch für ein mutiger Mann meine Meinung laut zu sagen, jetzt muss ich nur noch dazu stehen und mich auf Kritik einstellen - aber nein, ich unterstelle lieber das meine Meinung unterdrückt wird damit die Mehrheit, die ich natürlich kenne, klein gehalten wird)

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