Sonntag, 24. August 2014

Wahlkampftagebuch: 14. Teil: Wenn´s mal wieder länger dauert

Schönen Sonntag wünsche ich. Gestern gab es kein Tagebuch, dabei erlebte ich dennoch einen Wahlkampftag. Es ging wieder nach Crimmitschau. Die Stadt, die im Wahlkreis von Jan Löffler liegt, haben wir bereits letzte Woche besucht. Tatsächlich hat Jan und sein Wahlkampfteam einige Menschen getroffen, die bereits vor 7 Tagen auf dem Markt waren. Die Zahl der Briefwähler wächst dabei stetig an. Nichtsdestotrotz haben wir Samstag viele Flyer unters Volk gebracht und positive Resonanz erfahren. Zwei Anekdoten möchte ich dabei noch ansprechen:

Eine ältere Dame, der ich eine Wahlinformation mit Kugelschreiber geben wollte, lehnte dies ab. Dies ist erst mal nicht weiter verwunderlich, die Begründung würde ich aber schon ganz gerne diskutieren. Es stellte sich heraus, dass die Frau Zeuge Jehova ist. In der Überzeugung dieser Religionsgemeinschaft heißt es, dass sie nach einem Paradies hin streben und die Welt als unvollkommen ansehen. Aus diesem Grund heraus sehen sie auch den Menschen als unvollkommen an. Ein überzeugter Christ kann mit diesen Vorstellungen durchaus übereinstimmen, jedoch leitet er daraus andere Schlüsse ab, als ein Zeuge Jehova. Diese Religionsgemeinschaft beteiligen sich nicht an politischen Wahlen, weil sie die Worte Jesu, „kein Teil der Welt“ (Joh 17,16 ELB) zu sein, als Aufforderung zu einem politisch passiven Verhalten verstehen. Aus ähnlichem Grund bekleiden sie keine politischen Ämter (in Joh 6,15 ELB flieht Jesus vor einer Menge, die ihn zum König machen möchte). Außerdem betrachten sie die Theokratie als der Demokratie überlegen. 


Ein evangelischer Christ beispielsweise sieht gerade in der Verantwortung vor Gott die Aufgabe, sich zu beteiligen und Entscheidungen zu treffen. In einer weiteren Vorstellung verstehen sich evangelische Christen in Demut. Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes und unvollkommen. Er ist demnach von Gott abhängig. Dieser Gedanke der Unvollkommenheit schützt vor Hybris und Selbstüberschätzung.
Gerade wegen dieser Verantwortung vor Gott und letztlich auch vor sich selbst, ist es ein elementarer Bestandteil eines christlichen Lebens wählen zu gehen und damit seine Verantwortung als Bürger wahrzunehmen. Nicht zuletzt gebührt es auch Respekt vor den vielen Menschen aus der ehemaligen DDR von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. 
Daher mein Appell: Wählen gehen und die Demokratie stärken. Wer Sonntag keine Zeit hat, sollte unbedingt Briefwahl beantragen. Es geht um nichts geringeres als um die Zukunft von Sachsen. Das sollte Ansporn genug sein, die Stimme abzugeben. 


Eine zweite Anekdote ist eine durchaus erfreulichere. Ein Rentner erzählte mir seine Lebensgeschichte. Er berichtete von Zusammenhalt der Generationen, von seinem Beruf in Bayern, von vielen mittelständischen Unternehmen, von seiner freiwilligen Arbeit vor Ort als Betreuer von bedürftigen Menschen, aber auch von Problemen mit Drogen wie beispielsweise Crystal Meth. Er betreut Jugendliche, die diese Droge konsumieren. 
Bei seiner Arbeit mit den Menschen, bei der Betreuung und bei dem Erzählen von Geschichten aus Bayern merkte ich, wie der Mann voller Leidenschaft für seine Geschichten brennte. Dies war ein schönes Gefühl und es machte Spaß ihm zuzuhören. Auch das ist Wahlkampf. Ich hoffe, dass ich diese Begeisterung für meine Arbeit genauso leidenschaftlich vermitteln kann wie der Mann aus Crimmitschau. 
Besonders an Bayern gefiel ihm übrigens der Zusammenhalt zwischen den Generationen und der Gesellschaft als ganzes. Dieser Zusammenhalt kann nicht politisch erzeugt oder gar erzwungen werden. Er kann nur erlernt werden. Heimatverbundenheit und Respekt vor anderen Menschen, sowie Anerkennung von Lebensleistungen gehören ebenso dazu wie der höfliche Umgang untereinander und der Leistungsgedanke sowie die damit einhergehende Würde des Menschen. 


Am Abend  - und daher der heutige Titel und die später Veröffentlichung - ging es dann nach Obercrinitz. Hier durfte ich in der Jugend einen Vortrag zum Thema Liberalismus und christlicher Glaube halten. Es war ein sehr dankbares Publikum, welches sich immer freut, wenn ich hier sein darf. Ich bewundere diesen Zusammenhalt und die Herzlichkeit vor Ort. Darum bin ich gern zu Gast in Obercrinitz. In der nachfolgenden Diskussion sprachen wir wirklich im besten Sinne des Wortes über Gott und die Welt. Natürlich durfte auch hier der Verweis auf nächsten Sonntag nicht fehlen und gemeinsam sprachen wir über die Landtagswahl und über den Wahl O Mat. Jede These wurde intensiv und kontrovers diskutiert. Es ist vollkommen irrwitzig zu behaupten die Jugend beteilige sich nicht an politischen Entscheidungen. Pauschale Urteile helfen uns nicht weiter. Jugendclubs und andere vorpolitische Räume bringen die große Politik vor Ort und zeigen Interesse an den großen und kleinen politischen Themen.  
Nach Diskussionen und einer wirklich herzlichen Stimmung habe ich die Zeit vollkommen vergessen. Ein sehr gutes Zeichen für einen gelungenen Abend, jedoch ging die Veranstaltung bis weit nach Mitternacht und so war es mir nicht mehr möglich, am selben Tag mein Wahlkampftagebuch online zu bringen. 
Verzeiht mir dies bitte. Dafür werde ich in der letzten Woche vor der Wahl noch ausführlicher über Hintergründe, Prognosen, Analysen und Stimmungen berichten. 
Es bleibt spannend. Es bleibt politisch. Es bleibt heimatverbunden sächsisch. 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag und auf Bald. 

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