Dienstag, 26. August 2014

Wahlkampftagebuch: 15. Teil: Bei uns ist nicht alles Gold was glänzt, sondern Diamant.

Mittelständische Unternehmen bilden das Rückrat der sächsischen Wirtschaft. Diese Aussage wird im Wahlkampf sehr oft geschrieben und gesprochen. Doch was steckt dahinter ? Mit meinem kurzen Beitrag zum Thema Glashütte habe ich bereits ein Unternehmen mit Tradition aus Sachsen vorgestellt. Doch es gibt noch mehr. Wer gestern die Wahldebatte im MDR mit Herrn Duhlig und anderen Spitzenkandidaten der Landtagsparteien verfolgt hat, hörte auch viel vom sächsischen Mittelstand. Die SPD und die Grünen sowie die Linke haben sich als Ziel gesetzt DAX beziehungsweise MDAX Konzerne in den Freistaat zu holen. Wer gleichzeitig die Gewerbesteuer erhöhen möchte und auch sonst keine Erleichterungen für den starken und traditionsreichen Mittelstand in Sachsen übrig hat, der darf unseren Freistaat Sachsen niemals regieren. Dafür werde ich mich einsetzen. 

Das Unternehmen Diamant Fahrradwerke GmbH zählte zu den wenigen Exportschlagern der ehemaligen DDR. Der Hersteller von Fahrräder, Wirkmaschinen-Zubehör, Schreibfedern, Flachstrickmaschinen und Leichtkrafträder besteht unter verschiedenen Namen seit 1885.
Das Unternehmen wurde 1885 in Reichenbrand bei Chemnitz gegründet und unter dem Namen Gebrüder Nevoigt Reichenbrand/Chemnitz in das Handelsregister eingetragen. Das erste Diamant Fahrrad aus Serienproduktion wurde 1895 produziert. 

Maßstäbe setzte Diamant bereits 1926 durch die Entwicklung eines Fahrrades, das komplett aus Leichtmetall gefertigt war. Diese Entwicklungen wurden nach jahrelanger Unterbrechung 1938 fortgeführt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und mit Gründung der DDR wurde das Unternehmen unter dem Namen VEB Fahrradwerke Elite am 2. Mai 1952 verstaatlicht. 

In den 1970er und 1980er Jahren entwickelten und bauten Ingenieure von Diamant unter maßgeblicher Anleitung des Leipziger Ingenieurs Paul Rinkowski Rennräder für die Nationalmannschaft der DDR, mit denen zahlreiche internationale Wettbewerbe gewonnen wurden.
Mit dem Ende der DDR wurde der Volkseigene Betrieb (VEB) privatisiert. Am 1. Januar 1992 wurde die DIAMANT Fahrradwerke GmbH unter Beteiligung der schweizerischen Villiger-Gruppe gegründet. Diese Gruppe übernahm das Unternehmen 1997 vollständig. Seit 2003 sind sowohl Villiger als auch Diamant Teil der amerikanischen Trek Bicycle Corporation, zu der auch die Marke Bontrager gehört. Nach eigenen Angaben sind die Diamantwerke in Hartmannsdorf bei Chemnitz die älteste produzierende Fahrradfabrik in Deutschland.

Es hätte nicht viel gefehlt und von dem traditionsreiche Unternehmen wäre nur noch der Name geblieben. Die Fahrräder wären aus den Niederlanden gekommen und nicht mehr aus Sachsen. Investoren hätten das Sagen gehabt. Finanzinvestoren, die sich weniger für rostfreie Speichen und Schaltungen interessieren sondern mehr für Kapitalrendite. 
Das es anders kam, verdankt das Unternehmen den schon angesprochenen Schweizer Heinrich Villiger. Der Tabakunternehmer hatte das Unternehmen nach der Wende privatisiert und übernommen. Villiger baute in Hartmannsdorf bei Chemnitz das neue Werk auf. Der Schweizer konnte das Unternehmen dennoch nicht als ein profitabel gestalten. Die Verluste konnte er nur durch seine erfolgreiche Tabakfabrik auffangen. Rauchen für Radfahrer sozusagen. Wenn schon kein Raucher mehr Rad fahren kann, so kann er sich dennoch passiv daran beteiligen. Diese Konzept funktionierte solange, bis die Banken nicht mehr mitspielten.

2002 stellte Villiger Diamant zum Verkauf - auf Druck der Geldhäuser. Einzig der Glanz der Marke blieb. Etliche Pokale und Meisterschaften wurden in der DDR mit Diamanterädern gewonnen. Für diesen Glanz vergangener Zeiten interessierten sich niederländische Radhersteller wie Accell Group und Koninklijke Gazelle, hinter den große Investoren steckten. 

Doch der Schweizer Unternehmer suchte einen Nachfolger, der Diamant als Ganzes weiterführt. Mit dem Familienunternehmer Trek Bikes aus den USA wurde er auch fündig. 


Bevor das Unternehmen wieder erfolgreich wurde, musste es durch teilweise schwere Krisen gehen. Die Planwirtschaft und Fehler im Management gingen nicht unbeschadet am Unternehmen vorbei  Doch dann gab es noch einen üblen Trick aus längst vergangenen Zeiten. Das Unternehmen Diamant stand 1928 kurz vor der Pleite. Die Adam Opel AG kaufte das Unternehmen. Opel hatte selbst Fahrräder im Angebot und verkaufte diese für 40 Reichsmark. Für ein echtes Diamant - Rad musste man bereits damals 100 Reichsmark bezahlen. Opel tauschte kurzerhand die teuren Einzelteile gegen billigere aus der Rüsselsheimer Produktion aus - und bot die Räder weiterhin für 100 Reichsmark an. Die Kunden bemerkten den Trick. Die Nachfrage brach ein und Diamant wurde wieder eigenständig. Die Sachsen hingegen kannten ein neues Wort für täuschen: veropeln 


Die Räder waren teuer, weil schon damals die Marke strahlte. Die Fahrradleute von 1898, eine brennende Kerze in einem Glaszylinder, stammt ebenso aus Sachsen wie die Doppelrollenkette. Nach diesem Prinzip werden heute noch Fahrradketten gefertigt. 


Erfolge im Sport blieben ebenso nicht aus. Nach dem Krieg gelang es dem DDR Rennfahrer Gustav Adolf als erster Fahrer überhaupt, seinen WM Titel zu verteidigen. Der Export brach neue Rekorde. 1957 verkaufte Diamant ein Drittel seiner 270.000 Exemplare in weltweit 25 Länder: Europa, Afrika, Asien, Südamerika und die USA. 


Erfolg wurde der DDR Führung unheimlich. Sie entscheid, statt der Fahrradproduktion die winzige Strickmaschinensparte von Diamant zu fördern. Ein Fehler mit großer Wirkung. Die Radexporte brachen ein. Das Unternehmen konnte sich nur glücklich in die Privatwirtschaft retten. 
Nach einem schwachen Jahr 2013 haben die Sachsen jetzt wieder volle Auftragsbücher, 15 Prozent mehr Umsatz sind das Ziel und damit 130.000 Fahrräder verkaufen. 
Der größte Zuwachs ist dabei das E- Bike. Ohne große Anstrengung gelangt man so von A nach B. Allein 30.000 E - Bikes will Diamant 2014 produzieren. Was dabei kaum einer weiß: Das erste E Bike stammte aus dem Jahr 1992. Sein Name: Diamant Citybike.  

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