Freitag, 3. Oktober 2014

Bericht: Wer ist eigentlich Paul? Deutschlandtag der Jungen Union vom 19. bis 21. September 2014

Der Deutschlandtag der Jungen Union 2014 stellt eine Zäsur dar. Der altersbedingt ausscheidende Bundesvorsitzende Philipp Mißfelder war zwölf Jahre lang Chef von der größten Jugendorganisation Deutschlands. Die Junge Union war und ist mit Philipp Mißfelder verbunden. Der Mann aus Gelsenkirchen war und ist die personalisierte Junge Union - nur das Alter hinderte ihn an einer erneuten Amtszeit. Die Parallelen zur CDU Deutschlands sind eindeutig zu erkennen. 

Viel entscheidender ist es daher, dass zwei bis zuletzt aussichtsreiche Kandidaten für Mißfelders Nachfolge zur Wahl antraten. Benedict Pöttering und Paul Ziemiak. Ein offenes Rennen, einige sprachen bereits vorschnell von einer Kampfkandidatur. Das Ende einer Ära war dieser 19. September 2014 allemal: zwölf Jahre Bundesvorsitzender - auch in der Jungen Union eine lange Zeit, selbst wenn hier ein Bundesvorsitzender traditionell vier Jahre oder länger im Amt bleibt. 

Dieser Aspekt zeigt zwei Dinge genauer auf: Zum einen setzt die Junge Union auf politische Beständigkeit. Ein Bundesvorsitzender kann innerhalb der CDU Entscheidungen nur mitbestimmen, wenn er eine kontinuierliche und beständige Arbeit abliefert. Dies macht die Junge Union stark und einflussreich. Zum anderen zeigt es, dass innerhalb der Jugendorganisation die Wahl des Vorsitzenden mit Bedacht und Sorgfalt entschieden wird. 
Durch diese Beständigkeit innerhalb des Vorstandsteams kann die Junge Union den Appell des früheren bayrischen Ministerpräsidenten und Ehrenvorsitzenden der CSU nachkommen. „Ich kann euch nur ermuntern: Seid laut, seid deutlich!“ In der Eissporthalle im oberbayrischen Inzell hielt Edmund Stoiber ein enthusiastisches Grußwort. Er vermisse in einigen Parteien zukunftsorientierte Politik. Die Konsumenten und Nachfrager von politischen Modellen sind überproportional die ältere Bevölkerung. Die politischen Parteien werben demnach besonders deutlich innerhalb dieser Zielgruppe. Denn Wählerinnen und Wähler über 60 gehen häufiger zur Wahl und sind proportional in der Mehrheit.  Die Themen und deren Umsetzung sind andere als die der jungen Generation. Diese Herausforderung muss die Junge Union bewusst angehen und für ihre politischen Vorstellungen werben. 
Der demographische Wandel, so Stoiber weiter, bewirke nun einmal, dass immer weniger Junge mit immer mehr Alten zusammenleben müssen. „ Aber in einer Demokratie entscheidet die Mehrheit, wo es langgeht“, sagte Stoiber. „Die Älteren - und ich zähle mich dazu- haben immer mehr zu sagen als ihr, obwohl die Zukunft doch euch gehört und nicht uns.“ 
Ähnlich enthusiastisch wie Edmund Stoiber am Samstag, verstand es Paul Ziemiak die Delegierten in seiner Bewerbungsrede zu erreichen. Vor 314 Delegierten und mehreren hundert Gästen gelang es dem 29 Jahre alten Sauerländer die Parteijugend von CDU und CSU mit konservativen Herzensthemen mitzureißen. 
Generationengerechtigkeit, Achtung deutscher Soldaten im Inland wie im Ausland, die Gefahr durch radikaler Islamisten und Salafisten in Deutschland. „ Dieser Probleme werden wir mit Multikulti - Denken nicht Herr“, rief Ziemiak den johlenden Zuschauern zu, „auch wenn das viele Grüne, Linke und Kommunisten nicht wahrhaben wollen!“ Paul Ziemiak versteht es den Tenor seiner Reden intelligent zu wählen. Mit einem ausführlichen Programm konnte sich jeder Delegierte ein eigenes Bild von „unserem Paul“ machen, wie ein eigenes initiierter Hashtag verrät.  
Die Nervosität, von der Paul in seiner 15 Minuten langen Bewerbungsrede sprach, ist nicht mehr vorhanden. Er redet sich und in Saal in rage und erntet dabei mächtigen Applaus. 
Ein rhetorisches Fest war die Rede von Herrn Pöttering nicht gewesen. Benedict suchte nach den richtigen Worten, verstand es aber nicht, die Gefühle der Delegierten anzusprechen. Er ging auf seine - mehr oder weniger berechtigten - Kritiker ein und versuchte diese spöttisch, fast höhnisch zu entkräften. Das Ergebnis war ein allenfalls höflicher Applaus. Nahezu selbsterklärend kam Paul Ziemiak auf 63 Prozent der Stimmen und gewann damit deutlicher als prognostiziert. 


Ziemiak konnte nicht zuletzt durch seine kommunalpolitische Verwurzelung und seiner Herkunft bei den Delegierten punkten. Mit fein dosierten Stichen gegen seinen Konkurrenten, den Sohn des CDU - Politikers Hans - Gert Pöttering und langjähriges JU - Vorstandsmitglied unter Philipp Mißfelder, erzählte Paul Ziemiak seine Geschichte. 1985 in Stettin geboren, war er als Aussiedler ins Sauerland gekommen. Er konnte die deutsche Sprache nicht, als er in den Kindergarten kam. Er sagte nichts und brauchte viel Mut. 
Alles in allem kann man seine Lebensgeschichte als einen deutschen Traum bezeichnen. Es ist die Geschichte einer Familie aus Polen, deren Freiheitswille und Mut weit größer war, als Furcht und Angst vor dem Neuen, vor dem Unbekannten. 
Der neue Bundesvorsitzende ist ein bodenständiger Typ mit Ecken und Kanten. Er bewirbt sich nicht als Pressesprecher, sagte er mit Blick auf Benedict Pöttering. Er ist kein aalglatter Politiker aus den Berliner Regierungskreisen. 

Seine Themen sind demographischer Wandel, digitaler Wandel und Energiewende. Sein Botschaft am Schluss lautet: Es ist egal, woher du kommst. Es ist egal, ob dein Vater studiert hat oder deine Mutter Hausfrau ist. Wichtig ist, was du erreichen willst und wenn du hart dafür arbeitest, dann kannst du alles erreichen. Deutschland als Land der Möglichkeiten. So kannst du es vom Ratsmitglied in Iserlohn zum Bundesvorsitzenden der größten Jugendorganisation der Welt schaffen. 

Diese Botschaft macht Mut und lässt uns im Hinblick auf ein akzentuierteres Profil der Jungen Union positiv in die Zukunft blicken. 

Ich danke der JU Bayern für den reibungslosen Ablauf und die perfekte Organisation von Seiten der Bundesgeschäftsstelle. Ich wünsche Paul Ziemiak auch persönlich alles Gute und gute politische Entscheidungen. 

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