Dienstag, 2. Dezember 2014

Adventskalender: 2. Dezember 2014

Nachdem der gestrige Tag die Vorweihnachtszeit einläutete, kommen wir heute zu einer anderen Tradition. Diese findet noch vor dem ersten Advent statt, das heißt, dass wir uns noch immer nicht in der tagesaktuellen Berichterstattung wiederfinden. 
Nach dem Totensonntag, der im Kirchenjahr eine Woche vor dem 1. Advent begangen wird, kommt die erste, oder besser gesagt meine erste Bergparade. Dabei fahre ich auch schon im 5. Jahr nach Zwönitz im Erzgebirge. 
Eine Bergparade ist der Marsch der Bergleute in ihrer Tracht durch ein Dorf oder eine Stadt, meist im Erzgebirge verwurzelt. Mit den Bodenschätzen wie beispielsweise Erz hat die Region in Sachsen nicht nur ihren Namen gefunden, sondern auch ihren Wohlstand. Die Bergleute waren damals wie heute angesehene Personen, weil sie genau diesen Wohlstand in harter und schwerer Arbeit schafften. Diese Tradition zog sich auch bis in die DDR - Zeit hinein. Wismut Aue ist ein deutschlandweiter Begriff, dessen Anfänge in der Zeit der sowjetischen Besatzung finden. Wismut Aue ist aber auch ein Zweitligaverein, der die Menschen im Erzgebirge teilt und zugleich vereint. Bist du Schachter oder nicht? Schachter bezeichnet die Zugehörigkeit zu eben jenem Fußballverein. Erzgebirge Aue. 
Der Bergbau im Erzgebirge setzte ab dem 12. Jahrhundert mit Silber und Zinn ein; es folgte die Gewinnung von weiteren Mineralien. Vor allem in den Silber-Kobalt-Bergwerken im Westerzgebirge war schon seit dem 16. Jahrhundert ein schwarzes, schweres, nutzloses Mineral bekannt, das verschiedentlich dem Eisen oder Zink zugeordnet wurde. 

Gerade im Winter gingen die Bergleute in der Früh aus dem Haus, fuhren in den Stollen ein und kamen erst am späten Nachmittag wieder nach oben. Die winterliche Jahreszeit ist neben der Kälte vor allem durch die Dunkelheit charakterisiert. Die Dunkelheit war für die Bergleute noch präsenter als für die Bevölkerung über Tage. Früh war es dunkel, im Bergwerk war es dunkel und als sie sich auf den Heimweg machten war es ebenfalls dunkel. Dies realisierte auch die Bevölkerung und nach und nach stellten die Menschen Lichter an die Fenster, um den Arbeitern den Heimweg zu leiten. Die Lichter gaben Sicherheit und Halt in einer dunklen Zeit. Die Bergleute hatten so auch die Chance Licht in ihren sonst so dunklen Tagesablauf zu bekommen. Nach und nach stellten immer mehr Lichter in die Fenster. Schwibbogen und andere Lichtquellen gelten auch noch heute als Synonym für die Erzgebirgische Weihnacht. 
Auf der Bergparade in Zwönitz zeigen die einzelnen Bergleute aus den verschiedenen Regionen nun ihre Tracht und ihren Stolz in dieser Tradition zu stehen. Nicht selten höre ich und erwidere den Gruß „ Glück auf“, der ehrlicherweise nur im schönsten sächsisch seine volle Wortmelodie entfalten kann. Die Leute schauen eindrucksvoll auf die Bergarbeiter und wissen, dass die ganzen Lichter und Schwibbögen durch die Bergleute erst eine tiefere Bedeutung erhalten. Am Ende der Parade treffen sich die Zuschauer und Mitwirkenden auf dem Marktplatz und stimmen bei Liedern aus dem Erzgebirge und einigen Bergmärschen die Weihnachtszeit ein. Doch eines gehört auf dem Weihnachtsmarkt in Zwönitz noch dazu, bevor wir bei Glühwein, Roster und ja viel mehr Glühwein den Markt erkunden: Das Lied der Bergleute und der Erzgebirgler schlechthin erklingt und alle singen es eindrucksvoll und kräftig mit. Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. In diesem Lied mit dem unzähligen Strophen entfaltet sich die Mentalität und der Stolz einer ganzen Region in der Wertschätzung der Steiger und Bergleute. Die Sehnsucht nach Licht wird besonders deutlich. Ich muss ja ganz persönlich zugeben, dass ich in dieser Kulisse mit den Lichtern, der Kirche und dem Markplatz mit all den jungen und alten Menschen Gänsehaut bekomme. Es ist wohl so ein Weihnachtswundermoment, den ich euch bereits gestern gewünscht habe. 
Wer so einen Moment noch sucht, der bekommt in den nächsten Tagen noch einige Tipps. Diesen Moment zu finden ist gar nicht so schwer und vielleicht werden wir gemeinsam noch das ein oder andere Weihnachtswunder erkunden und hier verewigen. 
Ich wünsche euch einen schönen 2. Dezember und bin morgen mit einem neuen Text hinter Türchen drei zurück. 
Noch nicht ganz so traditionell, aber dennoch ganz sicher. Bis bald. 

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