Dienstag, 2. Dezember 2014

Adventskalender: 3. Dezember 2014 1. Teil

Es wird aktueller in der heutigen Folge und es wird auch wieder weihnachtlich. Das ich Weihnachten und meine Heimat schätze, sollte in den letzten Ausgaben offensichtlich geworden sein. Daher lag es nahe, dass ich meiner Abgeordneten am letzen Sonntag selbstverständlich geholfen habe. Doch der Reihe nach.
Eine Abgeordnete aus dem Vorerzgebirgskreis hat natürlich eine Verbindung zum Erzgebirge und der Tradition. Am ersten Adventswochenende findet in Hartmannsdorf eine Weihnachtsausstellung statt. Der Heimatverein im Ort und einige andere Organisatoren veranstalten in der Turnhalle eine Schau mit Exponaten aus dem privaten Besitz und Erzeugnissen aus eigener Herstellung. Strickereien, Klöppeleien und Erzgebirgische Volkskunst gehören ebenso zum Repertoire wie eine große Pyramide und Schnitzereien. Das Anschieben der Pyramide gehört selbstverständlich dazu wie der kleine, aber feine Weihnachtsmarkt. Wie der Leser bereits jetzt merkt, konnte ich Samstag zum Anschieben der Pyramide nicht persönlich dabei sein, da ich mich in Zwönitz befand. Nichtsdestotrotz war ich Sonntag auf der Ausstellung in Hartmannsdorf. Im Rahmen meiner Tätigkeit im Landtag und auch als Gast.
Die Eindrücke waren vielfältig und ich war von den unterschiedlichen Begegnungen sehr angetan. Von der selbst hergestellten Seife, den bereits erwähnten handwerklichen Erzeugnissen bis hin zu einem selbst gebautem Sägewerk im Maßstab 1:10. Das Herzblut und die Leidenschaft, welche alle Verantwortlichen in diesen Tagen zeigten, waren ein Genuss. Wenn wir von dem sogenannten ländlichen Raum sprechen, so fallen uns nicht immer nur die positiven Aspekte ein. Dennoch steckte die offene und herzliche Art der Aussteller an. Es ist keineswegs selbstlaufend, dass ein so intakter Heimatverein eine solche Veranstaltung auf die Beine stellt. 
So kam ich bei Kaffee und Plätzchen mit vielen Menschen ins Gespräch. Zuhören war hier geboten, denn die Menschen haben sehr wohl etwas zu erzählen. Anekdoten, wie etwa in der Planwirtschaft eine Pyramide trotz Mangel und nicht christlicher, sozialistischer Tradition entstehen konnte, berührte mich. Holz war ein knappes Gut in dem sozialistischen Paradies auf deutschem Boden. Dies war nicht zuletzt der radikalen Demontage durch die UdSSR geschuldet. Um dennoch an das begehrte Gut zu kommen, wurde kurzerhand ein Vorwand genutzt. Das Holz sollte für die Inneneinrichtung des neu gebauten Hauses dienen für Familie, Frau und Kinder. Ein bemerkenswerter Vorgang, der auch ganz anders hätte enden können, als er endete. Das Resultat kann sich sehen lassen. Ein beherzter und engagierter Hartmannsdorfer baute die Pyramide und so kann diese auch 2014 angeschoben werden. Tradition schlägt sozialistische Experimente. Auch und gerade für ein Konservativen wunderbar anzuhören. (Ein Beispiel für verfehlte Beseitigung von Traditionen zeigt sich in der Umbenennung des Weihnachtsengels in Jahresabschlussfigur. Engel hätte ja auf christliche Wurzeln zurückgeführt werden können) 
Generell waren die Erfahrungen aus einer Diktatur präsent an diesem Tag. Die Bergleute, von denen bereits gestern die Rede war, konnten alte Grubenlampen, Werkzeuge und alte Helme bestaunen. Die Wismut war auch hier ein großer Arbeitgeber und sicherte Wohlstand. Wohlstand aber eher für den großen sozialistischen Bruder und nicht für die Kumpel vor Ort. In diesem Sinne ein sehr sozialistisches Credo: Umverteilung, wenn auch völlig zweckentfremdet.
Ein älterer Herr erzählte mit Stolz und glänzenden Augen, wie er den großen Bergaufzug in mühevoller Handarbeit herstellte. Ich dachte sofort an die Meisterfeier der IHK Dresden vom vorletzten Samstag. Handwerk ist und bleibt ein Garant für das Funktionieren unser Volkswirtschaft. Der starke Partner von nebenan. Nicht nur so gesagt oder geschrieben, sondern in diesem Ort und an diesem Tag ganz real zu bestaunen.
Schwibbogen, Kerzenlicht, kleine Pyramiden und natürlich die Rachermannl ( Räuchermännchen) durften nicht fehlen und verzauberten die Besucher und Aussteller gleichermaßen.
Die Resonanz war sehr groß und zeigte einmal mehr, dass eine Sehnsucht nach Konstanten und bleibenden Werte weiterhin besteht. Wir müssen sie nur offenerer nach außen tragen. Nicht nur in dieser besinnlich traditionellen Zeit.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Start in diesen 3. Dezember 2014. Auf ein Neues am nächsten Morgen. Dieser wird kommen - ganz bestimmt. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen