Dienstag, 30. Juni 2015

Li(e)beral Li(e)bertär oder lieber was ganz was anderes? Eine Zusammenfassung der Hayek Tage 2015 in Leipzig

Eine Standortbestimmung sollte es sein. Karen Horn, die Vorsitzende der Friedrich August von Hayek Gesellschaft, veröffentlichte einen Artikel Namens „Die rechte Flanke der Liberalen“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 17.5.2015.

„Es steht nicht gut um den Liberalismus“, waren die einführenden Worte Ihres Denkanstoßes. Sie kritisiert im weiteren eine „reaktionäre Unterwanderung“ innerhalb der liberalen Strömungen in Deutschland. Die Angriffe auf jene freiheitliche Strömung kämen, so Frau Horn, nicht nur von allseits bekannter linker Seite, sondern eben nun auch aus dem rechten Spektrum. Der Blog „ Die Achse des Guten“ stehe zu nah bei PEGIDA und der AfD. Mit dem Rückzug von Markus Günther, als einer der Autoren der „Achse“ sieht sie sich in ihrer Meinung bestätigt. Als persönliche Anmerkung sei erlaubt, dass einige Autoren verkürzt auf jene Phänomene - sei es die Haltung der AfD oder auch die Demonstrationen in Dresden - allzu verkürzt und geradezu polemisch titeln, dabei schon Antworten geben, auf komplexe Fragen, die einer einfachen Antwort nicht würdig erscheinen.
Dabei fragt Karen Horen weiter, ob es unter dem Deckmantel des Liberalismus „wertkonservativen Liberale“ oder gar „nationalkonservative Liberale“ nicht per se als Oxymoroa auszuschließen seien?  Eine These, die nicht in der gesamten Gesellschaft auf jene breite Resonanz trifft,wohl aber durchaus als mehrheitsfähige Meinung anerkannt werden sollte.

Denn klar sollte auch sein, dass wer sich als liberal - und eben nicht konservativ oder linksreaktionär bezeichnet -  den Menschen als Individuum - und eben nicht als Kollektiv verstehen, den Menschen seinen Lebensentwurf verwirklichen lassen will - und eben nicht staatlich reglementieren oder ihm gar seine Meinung verbieten.
Liberalismus geht von einer fundamentalen Menschenfreundlichkeit aus. Der Mensch als kostbares Individuum, welches sein Leben selbst in die Hand nimmt und damit die Gesellschaft insgesamt bereichert. Voltaire bringt es so deutlich und in dieser eben genannten Menschenfreundlichkeit auf den Punkt: „ Ich teile Ihre Ideen nicht, aber ich bin bereit zu sterben, damit Ihr sie vertreten könnt.“ Die Freiheit des Einzelnen sollte nur dann eingeschränkt werden, wenn die Freiheit eines anderen bedroht wird. Der Respekt vor anderen Menschen und deren Ideen steht im Zentrum. Ein respektvoller Umgang verbunden mit Meinungspluralität zeichnen unsere Demokratie aus und machen sie zu einem Wert an sich, den es zu verteidigen gilt.
Ich teile die Meinung von Frau Horn, dass der Liberalismus mit Nichten ein wertneutralen Begriff im luftleerem Raum sei. Der Liberalismus ist noch nicht einmal ein normativ neutraler Begriff. Er steht beispielsweise in der Tradition Friedrich August von Hayek, aber eben nicht nur.
Konservatismus jedoch tendenziell als fortschrittsfeindlich und rückwärtsgewandt zu bezeichnen, verkürzt den Begriff. In einer bewegten Geschichte des Konservatismus haben - je nach Epoche - verschiedene konservative Geister andere Werte zu konservieren versucht. Der heutige Konservative möchte eben nicht mehr Monarchie oder absolutistische Fürstenhäuser bewahren, sondern die Ideen der Aufklärung, der Demokratie und den europäischen Gedanken. In der geistigen Konserve finden sich heute Werte wie „FREIHEIT“ „TOLERANZ“ „INDIVIDUALISMUS“ und nicht zuletzt ein europäischer Gedanke, der Frieden und Freiheit für Millionen Menschen gebracht hat. Diese Konserve darf und wird immer wieder neu gefüllt und - wie die Geschichte zeigte - das ein oder andere Mal auch geleert.
Ein hastiges Ja oder Nein, ein Schwarz oder Weiß, ein Gut oder Böse sollten keine allzu schnellen Intellektuellen Fehlschlüsse herbeirufen und entziehen sich übrigens auch jenem intellektuellem Diskurs, zu dem wir bitte zurückkehren sollten, wenn wir nicht schon dort angekommen sind, wie Karen Horn es eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Bleibt zweifelnd und wägt die Dinge ab, die so kommen. Karen Horn hätte es in der Denkweise Karl Poppers nicht plastischer und besser formulieren können.
Eine Antwort auf diesen Artikel konnte Frau Horn und andere kluge Köpfe in der Personifikation des FAZ/FAS Lesers bereits eine Woche später lesen.
In diesem Standortbestimmungen trafen sich die Mitglieder der Hayek Gesellschaft am letzen Freitag und Samstag in Leipzig. 



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